Aktuelles

Studienberatung an Hochschulen umfasst in der Regel
fachübergreifende (allgemeine) Studienberatung, die vor allem Studieninteressierte bei der Entscheidung für ein (neues) Studium unterstützen will und oft in einer zentralen Beratungsstelle der Hochschule tätig ist;
– die fachspezifische Studienberatung. die den Studierenden der einzelnen Studiengänge in den Fachbereichen und Instituten im Verlauf ihres Studiums zur Seite steht.

Unterschiedliche Regelungen einzelner Länder und Landesteile sowie die spezielle Situation jeder einzelnen Hochschule beeinflussen die Beratungsangebote vor Ort.

Die Allgemeine Studienberatung an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland befindet sich schon siet längerer Zeit in einer Phase der Deprofessionalisierung:

a) In vielen Beratungsstellen gibt es mehr befristete Teilzeit-Projektstellen als Vollzeit-Dauerstellen. Eine gründliche Einarbeitung der Nachwuchs-Beraterinnen und -berater wird erschwert bis unmöglich, weil die Zeit dafür zu kurz ist, zumal viele nach Ende der Befristung auf die nächste befristete Stelle an einer anderen Hochschule wechseln.

b) Vor allem nichtuniversitäre Hochschulen, aber auch einzelne Universitäten setzen zunehmend Beratungspersonal mit Bachelor-Abschluss ein, wo früher Masterabschlüsse verlangt wurden. Bachelors sind billiger, haben aber im Studium kaum Kontakt mit Wissenschaft und Forschung, so dass sie entsprechende Erfahrungen auch nicht weitergeben können.

c) „Marketing“ – nicht nur zwecks Gewinnung geeigneter Studierender für die jeweilige Hochschule, sondern auch zur Vermarktung unterausgelasteter Studiengänge – gewinnt an Gewicht gegenüber der Beratung Studieninteressierter und Studierender.

d) Vergleichende Informationen über mehrere Hochschulen z. B. eines Hochschulstandorts oder eines Landes werden seltener. Grund: Jede Hochschule möchte für sich selbst werben und hat kein Interesse an einem für Studieninteressierte aufschlussreichen Vergleich mit möglichen Konkurrenten.

Dazu ein kleiner Bericht aus Berlin: Die Berliner Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten (LKRP) hat im Juni 2019 – nach dem Koordinationsbüro „Studieren in Berlin und Brandenburg“ und dessen sämtlichen, vergleichenden Darstellungen des Studienangebots der regionalen Hochschulen gewidmeten Studienführern sowie einer komplexen Webpräsenz mit der Möglichkeit einer speziellen Studienplatzsuche in der Region – auch noch die regionale Hochschulmesse gleichen Namens abgeschafft: Sie soll 2019 letztmalig stattfinden.

Expertenschätzungen besagen, dass von den ca. 600 Personen, die im Bereich der Allgemeinen Studienberatung an deutschen Hochschulen tätig sein dürften, nur noch etwa 100 eine Vollzeit-Dauerstelle besetzen.

Einen gewissen Einblick in die komplexe Problematik gibt Karin Gavin-Kramers Beitrag „Billiger heißt weniger Leistung: Wie Hochschulen die Beratungsqualität riskieren“, derzeit lesbar hier.